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Natürliches Progesteron - ein neuer Stern am männlichen "Hormonhimmel"? In der Ausgabe 1/2000 der Zeitschrift "Der Männerarzt" habe ich ein Grundsatzreferat zur Substitution des Klimakterium virile mit Östradiol-Hemihydrat veröffentlicht. In einem erfreulich großen Kreis interessierter Kollegen haben wir beim l. Niersteiner Symposium im November 2000 in Diskussionen und Workshops dieses Thema vertieft. Die Methode erfreut sich einer stetig steigenden Beliebtheit, die sich auf der einen Seite in der zunehmenden Zahl von Praxen manifestiert, die bereits Männer für eine Östrogensubstitution übernehmen, sich auf der anderen Seite aber auch in einer sehr stark gestiegenen Zahl von behandlungswilligen Männern widerspiegelt, die beim "Forum Männerarzt" nach einem Arzt in der Nähe nachfragen, der eine Östrogenbehandlung bereits anbietet. Es hat der Methode offensichtlich nicht "geschadet", daß in den zurückliegenden Jahren viel Skepsis und Kritik seitens der Andrologie geäußert wurde. Durch diese restriktive Haltung wurde leider viel wertvolle Zeit für neue Forschungen vergeudet. Die ständig angemahnten Studien hätten dort längst gestartet werden können. Da ich nach mehrjähriger intensiver Öffentlichkeitsarbeit - einschließlich der Veröffentlichung meines Buches: "Der Mann im Wechsel seiner Jahre", (Arche Noah Verlag) - zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich voraussetzen möchte, daß das Prinzip der Östrogenbehandlung nunmehr hinreichend bekannt geworden ist, werde ich mich in diesem Aufsatz mit dem Gedanken beschäftigen, wie wir diese Therapieform noch weiter verbessern und "absichern" können.
Den Gynäkologen ist das Steroidhormon "Progesteron" hinreichend vertraut und in seiner Wichtigkeit - auch im Bereich der Substitution in der Postmenopause -durchaus vertraut. Warum, so muß man sich fragen, wurde dieses Hormon bislang nicht bei der Substitution des Klimakterium virile eingesetzt - ja, bislang in der Literatur unserer endokrinologischen Zentren noch nicht einmal "angedacht"? Welches Wissen um dieses Hormon können wir dazu aus der gynäkologischen Forschung übernehmen? Progesteron kann quasi als Antagonist der Östrogenwirkung betrachtet werden. Nach dem chinesischen, klassischen Weltbild wäre das Östrogen als das aktivierende "Yin" und das Progesteron als das dämpfende "Yang" zu betrachten. Natürliches Progesteron sollte nicht mit den synthetischen Substanzen, den sog. Gestagenen, verwechselt werden. Salopp gesagt, würde man damit Kunsthonig mit Bienenhonig verwechseln! Obwohl Gestagene bei Frauen - auch bei langjähriger Anwendung - bereits überzeugende Vorteile erbracht haben, dürfen wir die Tatsache nicht verdrängen, daß die Evolutionsbiologie aber natürliches Progesteron Millionen von Jahren in strenger Selektion "austesten" konnte. So daß wir mit den Worten eines alten, englischen Philosophen sagen können: "Was da ist, ist gut!" Diesen enormen Vorteil können die von Menschenhand geschaffenen synthetischen Hormone natürlich nicht haben. Da es sich aber bei der Substitution des Klimakteriums immer um eine Langzeiteinnahme handelt, sollten wir uns bei der Auswahl der "Drogen" der Sicherheit der Evolution anvertrauen! Also, möglichst ausschließlich naturidentische, sprich - "natürliche" Hormone - einsetzen! Diese ideale Voraussetzung ist mit der Verabreichung von natürlichem Östrogen und Progesteron - gewonnen aus der wilden Yamswurzel - wohl gegeben. Welche Wirkungen des Progesterons sind bekannt: Progesteron hat eine diuretische, antihypertensive und antithrombotische Wirkung. Progesteron wirkt dämpfend (natürliches Antidepressivum) auf das ZNS, stabilisiert den Kupfer- und Zinkhaushalt, wirkt anregend auf die Libido, stimuliert das Wachstum von Haaren und Nägeln, schützt die Schwann'schen Scheiden der peripheren Nerven (MS-Prophylaxe?), schützt die Hornhaut und hält den Glaskörper klar (grüner Star!), stimuliert die Regeneration von Knochenmasse und Kollagen mehr noch als es das Östrogen vermag und wirkt tumorsuppressiv auf die hormonabhängigen Organe: Uterus, Ovarien, Mamma. (und sogar den Darm!) Die tumorsuppressive Wirkung des Progesterons wird u.a. seiner Eigenschaft zugeschrieben, die Taktfrequenz der Zellteilungsrate zu verlangsamen und den Zinkstoffwechsel zu stabilisieren. Zink ist mitverantwortlich für den Erhalt einer intakten Immunabwehr. Man sagt dem Progesteron auch eine Wirkung als 5-alpha-Reduktasehemmer nach, was unser allerhöchstes Interesse für seinen Einsatz beim Mann erwecken sollte! Warum, so sollten wir uns fragen, wird dieses Hormon nicht schon längst in der Behandlung des männlichen Klimakteriums eingesetzt? Alle oben beschriebenen Vorteile sind für den Mann von ebenso entscheidender Bedeutung! Der Einsatz von Progesteron als Östrogenantagonist und Hormon mit eigenem wichtigen Wirkungsprofil, müßte die Östrogenbehandlung des Mannes entscheidend verbessern können. Die einzige dazu notwendige Voraussetzung ist allerdings, daß man einen physiologischen Progesteronspiegel beim Mann nachweisen kann. Und getreu nach dem Motto des oben zitierten englischen Philosophen und Poeten, Alexander Pope (1733), könnten wir dann von der Voraussetzung ausgehen: "Whatever is, is good!" und dieses wichtige Hormon auch in die Behandlung des Mannes integrieren. Die Literatur schweigt sich zu einem physiologischen, männlichen Progesteronspiegel aus. So war dann schon wieder einmal Pionierarbeit zu leisten. Was verspreche ich mir von der Substitution eines erniedrigten Progesteronspiegels beim Mann? Sie ist die logische Konsequenz aus den oben beschriebenen Vorteilen! Es eröffnet sich eine verlockende Möglichkeit, die Wirkung des Progesterons als natürlichem 5-alpha-Reduktasehemmer zur Prophylaxe eines Prostata-Adenoms - ja sogar vielleicht eines Prostatakarzinoms - auszunutzen. Durch den Einsatz von Progesteron wäre sogar auch das Prinzip einer bipolaren Behandlung im Sinne eines Yin/Yang - Ausgleichs sichergestellt. Diese Ergänzung müßte eine Östrogensubstitution nicht nur entscheidend verbessern, sondern auch für die Langzeitanwendung noch "sicherer" machen. Ich beschreite mit meinen Patienten (mich eingeschlossen!) diesen neuen Weg seit gut einem halben Jahr. Zwei Jahre lang habe ich zuvor Erfahrungen bei Männern mit der Verordnung des synthetischen Progesterons "Norethisteronacetat" gesammelt. Ernst zu nehmenden Nebenwirkungen sind bislang nicht aufgetreten und sind auch nicht zu erwarten, wenn wir an die lange Zeit einer Evolutionsselektion denken, in der dieses Hormon auch beim Mann bereits "ausgetestet" wurde. Was sich im Einzelnen an Vorteilen ergibt, die für den Patienten spürbar und erkennbar sind, ab welchen Serumspiegeln ich eine Substitution (und in welcher Höhe) empfehle, beabsichtige ich, auf dem nächsten Niersteiner Symposium im Juni 2001 erstmals vorzustellen. So lange werde ich noch weiter Daten sammeln, um auch genügend Erfahrung und eine ausreichende Zahl von Fällen präsentieren zu können. So viel sei jetzt bereits gesagt: Der Bonus für den betroffenen Patienten liegt in der oben beschriebenen prophylaktischen Wirkung des Progesterons und der Stimulierung der ja auch im männlichen Körper zahlreich vorhandenen Progesteronrezeptoren in den Organen wie z.B. Gehirn, Gefäßwände und Knochen. Und da ich bislang bei jedem Mann einen Progesteronspiegel nachweisen konnte, vertrauen wir der Evolution: Was da ist, ist gut!
Lesen Sie bitte zu diesem Thema auch: die Pressemitteilung aus der "Welt" vom 24. 11. 2005 über eine erfreulich neue Beurteilungsweise einer Hormontherapie mit Progesteron auf der Startseite (Information).
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